Wir gingen durch einen Torbogen und sahen ein großes, offenes, marmornes Treppenhaus. Gegenüber, eine Stufe hoch, war eine geschlossene Tür und geradeaus ein Innenhof. Da kam auch schon ein freundlicher dunkelhäutiger Hotelangestellter angeflitzt, nahm den knallroten Koffer der Lady und sauste die Treppe hinauf. Ratlose Blicke unsererseits, bis ich Töchterchen hinterher scheuchte. Zehn Minuten vergingen, da kam Töchterchen nebst Angestelltem und Koffer zurück und erklärte, dass unser gebuchtes Zimmer im 6. Stock sei. Da meine Lady doch aber unmöglich so viele Treppen steigen könne, sei es ihr gelungen, ein anderes Zimmer für uns zu bekommen, gegenüber hinter der (bereits erwähnten) geschlossenen Tür. Allerdings seien auch dort zehn steile marmorne Stufen zu überwinden. Nachdem wir diese erklommen und unser Gepäck im Zimmer untergebracht war, bewegten wir uns in Richtung der Rezeption. Der Empfang war in der ersten Etage des erwähnten großen Treppenhauses zu erreichen. Meine Lady ächzte und quälte sich also dort die Treppe hinauf, Tochter und ich guckten uns etwas ratlos an.
Am Empfang saß der Inhaber des Hotels, ein charmanter Mittvierziger, und erklärte zunächst mir auf Englisch den Sachverhalt: meine Information aus dem Internet, dass es einen Lift gäbe, sei nicht korrekt, ich hätte mich wohl verguckt! (Nach meiner Rückkehr ließ sich das nicht mehr prüfen, die Site hatte ein Update erhalten und sah komplett anders aus.) Nun war ich einigermaßen verstört, wusste nicht recht, wie die Situation für meine Lady noch zu retten sein könnte, da holte sie tief Luft und legte los, auf Italienisch, und schnell. Der Inhaber gab Contra - ich konnte nicht mehr folgen, sah nur bei beiden blitzende Augen. Plötzlich auf beiden Seiten charmantes Lächeln. Dann mischte Tochter mit, zu seinem Erstaunen. (Die erste Verhandlung hatte sie auf Englisch geführt, da ihr das so geläufig ist wie Deutsch, Italienisch erfordert bei ihr noch mehr Konzentration.)
Dann für mich nochmal auf Englisch: Er besitze ca. 200 m entfernt ein Appartment im 4. Stock, mit Lift (!), das könne er uns ab Montag für den Preis des Hotelzimmers zur Verfügung stellen. Er würde persönlich uns mitsamt dem Gepäck hinbringen. Das Appartment würde normalerweise Euro 320,00 pro Nacht kosten, sei sehr schön, mit Deckenmalerei von Bernini im Schlafzimmer (!), und er würde einmal täglich seinen Service vorbei schicken. Damit erklärte sich dann meine Lady freundlicherweise einverstanden.
Zurück im Hotelzimmer ging es dann los: Das sei doch wohl alles Betrug, 320 Euro, pah, wer's glaubt wird selig usw. usw.
Als wir dann am Montagnachmittag umquartiert wurden, war ich tatsächlich sehr angetan von der Unterkunft:
Direkt am Corso Emmanuele in einem großen alten Haus, auch mit Innenhof, mit einem riesigen (auch) Marmortreppenhaus, einem Fahrstuhl aus dem 17. Jahrhundert (schmiedeeiserne Gitter, ich wollte es noch fotografieren, habe es dann aber doch vergessen), aber mit modernster Technik ausgestattet.
Eine große Wohnung mit Bad, Küche, kleinem Wohn-/Esszimmer und großem Schlafzimmer - mit Deckenmalerei (könnte tatsächlich Bernini gewesen sein - who knows?). Sie gefiel mir richtig gut! Meiner Lady weniger, warum weiss der Geier... Auf jeden Fall vermutete sie wieder "Betrug", da wir ja nun um unser Hotelfrühstück gebracht worden wären.
Es ist bekannt, dass ein Hotelfrühstück in Italien nicht besonders gut ist, und so haben wir es auch während der zwei Tage im Hotel erlebt: ein Krustenbrötchen (außen hart, innen eine große Luftblase), dazu ein wenig Butter und zwei abgepackte Marmeladentöpfchen. Ein Kaffee, der schlimmer war als mein mitgebrachter Instant-Kaffee, dazu nach Wahl folienverpackte Gebäckteile mit Marmeladenfüllung. Alles in allem keine Sache, der hinterher zu trauern war!
Tatsächlich gab es ein Problem mit der Warmwasserversorgung, und eine kalte Dusche ist auch mir nicht wirklich recht. Nachden ich dies am Dienstag beim (sehr freundlichen) Service-Menschen (der tatsächlich jeden Nachmittag kam!) reklamiert und er umgehend einen Techniker geschickt hatte, funktionierte nicht nur das Warmwasser - sondern auch die Heizung! Nun hatten wir ja (leider) eine kalte Woche in Rom erwischt, folglich drehte meine Lady sofort sämtliche Heizkörper auf "volle Power", so dass wir in den nächsten Tagen gefühlte 28 Grad in der Wohnung hatten *schwitz*. Und, oh Wunder, plötzlich war das Appartment gar nicht mehr so übel! Ich hatte dann jede Nacht klammheimlich die Heizung im Schlafzimmer ausgedreht...
Da wir am Samstag abzureisen gedachten, besuchten wir am Freitagnachmittag noch einmal das Hotel zwecks Begleichung der Rechnung. Dieses Mal saß ein distinguierter alter Herr an der Rezeption, der Vater des Inhabers. Er sprach ein so deutliches, feines und gebildetes Italienisch, dass ich der Unterhaltung ohne Probleme folgen konnte. (Ich spreche kein Italienisch, habe aus lang vergangenen Schulzeiten noch rudimentäre Französisch- und Spanischkenntnisse.) Und meine Lady blühte schließlich auf, als er uns höchstpersönlich einen Cafè (lungo oder doppio - weiss nicht mehr, was was ist) servierte und mit ihr gehobene Konversation über "die Jugend, die keine Verantwortung für Kinder übernehmen möchte" führte. Da er annähernd das Alter meiner Lady hatte, war es kein Wunder, dass sich dort zwei verwandte Seelen im Gespräch trafen! In Folge war das Hotel selbstverständlich wunderbar und das Appartment erstklassig, der Service super...
Jetzt nochmal ganz sachlich: ein gutes Hotel mit angenehmer Atmosphäre, sehr freundlichem und zuvorkommendem Management! Man spricht (und schreibt) ein exzellentes Englisch (was die Buchung vereinfacht). Die Preise sind so üblich in Rom - es gibt nur wenige Hotels, die billiger sind, aber eine Menge, die teurer sind! Hier der Link:
Hotel Navona, zentral gelegen in der historischen Altstadt, so dass viele Sehenswürdigkeiten gut zu Fuß zu erreichen sind.
Labels: Rom