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Samstag, 23. Februar 2008

Piercing, Tattoo und die Tochter

Sie war fünfzehn und beschied mir "ich will ein Zungenpiercing haben". Nada, niente, nix... "Von mir bekommst du keine Erlaubnis, und wenn du's trotzdem machen lässt, zeig ich den Piercer an." Ich hätte es getan, denn leere Drohungen waren noch nie meine Sache. Im Laufe der nächten Monate kam das Thema immer wieder auf den Tisch, aber ich ließ mich nicht erweichen. Mit Hinweis auf eine unversehrt zur Welt gekommene Tochter, die doch bitte auch unversehrt bleiben solle, beschied ich diesen Wunsch immer wieder abschlägig. "Wenn du achtzehn bist und das dann immer noch möchtest, kannst du machen, was du für richtig hältst, dann kann ich nichts mehr dagegen tun." Das war meine letzte Antwort und hoffte, damit das Thema ad Acta gelegt zu haben.

Weihnachten, der achtzehnte Geburtstag in Sicht, Oma schenkt(e) immer Geld zu Weihnachten und zum Geburtstag, tönte es aus der gar lieblichen Tochter Mund: "Ich nehme mein Geldgeschenk und lass' mir dann mein Zungenpiercing machen." Und übrigens, der Bruder würde mitkommen, er wolle schließlich auch schon lange eines haben. Alles sei längst besprochen und das Studio gut ausgesucht.

Von wegen ad Acta gelegt, das schien nur mein Wunschtraum gewesen zu sein... Fünf Minuten überlegt, dann "wenn du so sicher bist... dein achtzehnter Geburtstag ist sowieso in drei Wochen, da spielt das jetzt auch keine Rolle mehr, ich unterschreib dir die Erlaubnis... dann kannst du dich wenigstens in den Weihnachtsferien auskurieren." Seufz. Was blieb mir als guter Mutter schon übrig?

So kamen denn die beiden Großen frisch zungengepierct zurück, mit genauen Anweisungen, was gegessen und getrunken werden darf, und einer großen Flasche Listerine Gurgellösung. Der Sohn hat sich um fast nichts gekümmert, nach Herzenslust gegessen und getrunken. Die Tochter musste natürlich gehätschelt werden, legte sich angeschlagen zu Bett, wurde von mir liebevoll mit Eiswürfeln zum Lutschen versorgt. Ich erinnere an das Weihnachtessen: Braten, Soße, Kartoffeln und Rotkohl babylike im Mixer püriert, damit Töchterchen speisen konnte... (sah übrigens sehr lecker aus *smile*)

Vier Wochen später die Abschlussuntersuchung der Zankorrekturbehandlung bei der Kieferorthopädin: Dafür musste das Piercing entfernt werden. Und die Öffnung schloss sich augenblicklich! Tochter ließ sich selbstverständlich Tage später ein neues machen. Dieses Mal heilte es nicht so zügig. Also noch einmal mütterliche Pflege.

Jahre später. Töchterchen sprach ständig von einem Tattoo. Mein erneuter Hinweis auf die körperliche Unversehrtheit fruchtete genau so viel wie damals, nämlich nichts, war schon klar. Es wurde also ein schöner altdeutscher Buchstabe, genauer der Anfangsbuchstabe der seinerzeitigen "großen Liebe", auf den Rücken fabriziert.

Nun gib's eine neue Liebe, vielleicht ja die endgültige, wer weiß, und der Buchstabe wird in diesem Moment in ein neues Motiv verwandelt. Ob es ihr gut dabei geht? Der Kreislauf auch nicht schlapp macht? Ich sitze hier mit Bauchschmerzen.

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