Verschenkzeit und Nachbarschaft
Verschenkwoche. Oder vielleicht der Beginn einer etwas länger dauernden Verschenkzeit. Auch genannt "Aufräummotivation". Ich kann nichts wegwerfen, das noch heil, ganz und brauchbar ist. Auch wenn ich es nicht mehr gebrauchen möchte oder kann. Oder meine Nachkommenschaft. Ganz toll auch der Aspekt, dass meine Mama schon seit Jahren alles, was sie aus ihrem Haushalt zu entfernen gedenkt, kurz und bündig mir auf's Auge drückt.Vor ein paar Jahren habe ich einen Sommer lang ge-eb*yt, hat Spaß gemacht. Und sich gelohnt. Ist aber wirklich nur sinnvoll, wenn man von einer Sorte sehr viel hat (in meinem Falle war es Handarbeitsmaterial) oder Dinge mit Seltenheitswert. Und es ist sehr zeitintensiv.
Jetzt gilt es vor allem, hier Platz zu schaffen. Vor allem natürlich im Keller. Aber auch einiges aus meinen Schränken scheint schon eine ganze Weile förmlich nach Entsorgung zu schreien. In den 26 Jahren, die ich hier wohne, und nach erfolgreicher Aufzucht dreier Nachkommen, die sich - wie es so der gesunde Lauf der Dinge ist - inzwischen verselbständigt haben, hat sich vieles angesammelt. Einmal mit dem Sichten begonnen, ist es wie mit dem berühmten Stein, den man ins Wasser wirft... Ich sag nur "Kreise"...
Und plötzlich geht alles ganz leicht:
In dem Bewusstsein, dass so gut wie jedes Teil schließlich einen Abnehmer zu finden scheint, wenn ich nur ein Foto mache, es auf die Web-Seite stelle und in den Verschenkmärkten annonciere, laufe ich zu einer Hochform auf, wie sie für Alltagsfeierabende eher nicht üblich ist.
Es wird hin und her gemailt, Termine werden vereinbart und schon haben viele verschiedene Sachen ein neues Zuhause. So weit meine Euphorie und mein Antrieb, am nächsten Wochenende weiter im Keller zu räumen.
Gestern war eine Frau in Begleitung ihrer Freundin angekündigt. Ich bin ja manchmal wirklich naiv-gutgläubig und denke von allen Menschen immer nur das Beste. Aber plötzlich kam mir der Gedanke, dass es ja auch nicht "so ohne" sein könnte, plötzlich zwei wildfremde Menschen in meiner Wohnung zu haben... (Vor einem halben Menschenleben hatte ich öfter diese "Nepper-Schlepper-Bauernfänger"-Sendung gesehen, und da gab es so manches Beispiel, wie es besser nicht laufen sollte, von wegen die Tür öffnen und fremden Menschen Zutritt in die Wohnung gewähren.) Auf dem Heimweg von der Arbeit traf ich meinen Nachbarn, was meist nicht häufiger als ein oder zwei Male im Jahr vorkommt. Also fragte ich ihn kurzerhand, ob er nicht mein Bodyguard sein möchte... Und war er dann auch später zur verabredeten Zeit anwesend. In diesem Falle vollkommen unnötig. Die beiden Frauen waren wirklich sehr, sehr nett. (Ihnen verdanke ich übrigens die abgebildete hübsche und ungewöhnliche Weinflasche!).
Mein Nachbar und ich haben uns sehr angeregt unterhalten, und er hat sich angeboten, jederzeit für diese Aktion wieder zur Verfügung zu stehen. Das finde ich sehr, sehr erfreulich. Und ungewohnt für mich, weil ich hier im Hause eher so eine Art "Einsiedlerleben" führe. Außer ihn mit seiner Frau und einem sehr alten Herrn (wir sind die Übriggebliebenen der vor einem guten Vierteljahrhundert hier Eingezogenen!) kenne ich die meisten Nachbarn nicht. Zwei oder drei vielleicht vom Ansehen, habe aber keine Ahnung, welcher Name oder welche Haustür dazu gehört. (Okay, ein paar Kinder aus diesem Haus kann ich zuordnen.) Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich mag mein Einsiedlerleben. Aber manchmal ist es doch ganz gut, ein kleines bisschen Kontakt zu haben.
So, es bleibt spannend, es wird weiter geräumt - und damit dieser Beitrag nicht zu lang wird, muss er hier enden ;)
Labels: Blog

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