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Mittwoch, 7. Mai 2008

Der fremden Menschen Frust

Unser Büro sieht von draußen aus wie ein Ladengeschäft. Sonne scheint, Tür - wie immer bei gutem Wetter - sperrangelweit offen. Fünf Minuten vor Feierabend, bin dabei, meinen Arbeitsplatz aufzuräumen, kommt ein Passant einen Schritt weit herein und murmelt irgendwas unverständliches. Ich glaube zu verstehen, dass er mit seinem Handy telefonieren möchte und es ihm draußen zu laut ist. Er macht irgendwas, horcht in sein Telefon hinein. Und nichts. Steht im Büro herum und kann sich irgendwie nicht entschließen, wieder hinaus zu gehen. Dann legt er los, mit sehr starkem Dresdner Akzent. Den verstehe ich nur, wirklich nur dann, wenn ich genau hin höre und mich konzentriere. Ich will nicht. Aber er spricht entsetzlich laut. Zwangsweise konzentriere ich mich auf diese eigenwillige Beschallung, während ich die Jalousien zu ziehe, den Drucker ausschalte, das Telefon umstelle, den PC runterfahre, meine Tasche packe, Jacke anziehe... er lässt sich nicht beirren und wütet. Nicht mit mir. Privater Stress. Zoff mit der Ehefrau. Ärger über die Fahrtkosten von und nach Dresden. Löhne hier und in (Dunkeldeutschland) Ostdeutschland, und immer wieder Wut auf seine Frau. Halloooooo? Warum muss ich mir das anhören? Erst als ich mir meine Tasche und die Post greife, verabschiedet er sich. Kopfschüttelnd trete ich den Heimweg an. (Womit hatte ich das nun wieder verdient?) Hätte er noch fünf Minuten länger lamentiert, hätte ich ihm Beziehungsberatung gegen Rechnung angeboten. Nur mit großer Entschädigung hätte ich weiteres sächsiches Lärmlamento ertragen wollen.

Eine halbe Stunde später in der S-Bahn. Südländisch aussehender junger Mann mit Handy am Ohr, ihm gegenüber ein junges weibliches Wesen. Er schimpft ins Handy, man möge ihn doch später zu Hause anrufen. Dann bepöbelt er auf das Ärgste das weibliche Wesen, welches demutsvoll ihm gegenüber sich in den Winkel zwischen Sitzpolster und Fenster verkriecht- und nicht ein Wort sagt. Er, zwar gut aussehend (was nützt ihm das bei *den* Manieren?), ständig in gehobener Lautstärke Worte ausstoßend, die ich hier nicht wiederholen werde, bläht sich förmlich auf (fühlt sich größer, je kleiner er andere macht), blökt zwischendurch Einwortsätze in sein Telefon, verbietet seiner Begleiterin(, die doch eh nichts sagt,) den Mund. In Wilhelmsburg verlassen beide die Bahn - er hoch aufgereckt (bei vielleicht 170 cm), sie - den Kopf gesenkt - hinterher. (Eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit ließ sich feststellen, möglicherweise ist sie seine Schwester - ich dachte, Südländer hegen, pflegen und beschützen ihre Schwestern... Irrtum?!) Boah, was für ein arrogantes jugendliches A***...
Hm - "natürlich" mischt sich bei solchen Vorkommnissen kein Fahrgast ein (ist in diesem Falle eine vielleicht lässliche Sünde, da keine Gefahr im Verzuge war). Wir (als Gesellschaft) sind ja so weit, dass wir um Leib und Leben fürchten müssen, sollten wir uns erdreisten, solcherlei Volk zurecht zu weisen... Belästigt und mindestens irritiert schienen aber alle Fahrgäste zu sein.

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