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Montag, 14. Juli 2008

Ach du je...

Ich kannte ihn.

In unmittelbarer Nähe des abendlich von mir mit Firmenpost zu füllenden Briefkastens ist von seiner Familie und seinen Freunden eine kleine Gedenkstätte eingerichtet worden. Mit teilweise viel Gekrakel geschriebene Abschiedsbriefe sind an einem Baum befestigt worden, auf dem Boden liegen Blumen, stehen Teelichter.

Die Nennung seines vollen Namens verursachte mir sofort Gänsehaut.

Ist dieses das Jahr der Nachrufe hier im Blog?

M. Sch. gehörte sicherlich zur Randschicht der Minderpriviligierten und suchte häufig deren Gesellschaft. Aber außer seinem schlichten Gemüt gab es noch etwas ganz Anderes: Er war so etwas Ähnliches wie eine Frohnatur, immer lächelnd, mit blitzenden Augen.

Hm - woher ich ihn kannte?
Seit zehn Jahren führt mein Weg an diesem allgemeinen Treffpunkt vorbei, und ich kenne viele Leute vom Sehen. Eines Tages kam er in unsere Firma und fragte nach einer langen Leiter, sein Sohn (der ihn begleitete, vielleicht 5 Jahre alt) habe die Wohnungstür zufallen lassen und sie beide ausgesperrt. Er gedenke, auf den Balkon zu klettern, da die Balkontür offen stehen würde. Als Legitimation gab er an, einen unserer Monteure zu kennen, der in seiner Nachbarschaft wohnen würde. Nun, die Leiter war gerade "aushäusig", wir empfahlen, die Feuerwehr zu fragen.

In der Folgezeit, er ging häufig an unserer Firma vorbei, winkte er uns jedes Mal fröhlich zu.

Letztes oder vorletztes Jahr, Gründonnerstag, ich nahm unseren Büro-Narzissenstrauß mit, sprach er mich auf dem Weg zum Bahnhof an und zeigte mir voller Stolz eine Bescheinigung über eine absolvierte Bildungsmaßnahme des Arbeitsamtes. (Daher weiß ich seinen Namen.) Und guckte auf meine Blumen. Die ich ihm kurzerhand überließ. Er freute sich so!

Irgendeiner Beschäftigung muss er zuletzt tatsächlich nachgegangen sein, vormittags war er nicht mehr zu sehen. Aber zur Feierabendzeit hielt er sich regelmäßig in Bahnhofsnähe auf.

Auf einem der Briefe an seiner Gedenkstätte stehen fünf Kindernamen mit dem Text "Papa, wir vermissen dich."

Nachtrag: Die Presse berichtet, er sei Angestellter der Stadtreinigung gewesen. Und spricht teilweise von sechs, teilweise von zehn Kindern.

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