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Samstag, 9. August 2008

Brombeeren

Brombeeren aus der Fischbeker Heide hat nicht jeder.

Auf meinem alltäglichen Einkaufsweg wachsen Brombeersträucher. Nicht viele, aber genug, um einige Früchte zu tragen, die mich verlockten, alle zwei, drei Tage eine kleine Handvoll zu ernten. Da liegt es nahe, dass ich mich an die riesigen Sträucher erinnerte, die ich auf meinem Spazierweg im Wald kürzlich gesehen hatte:



Heute war das Wetter fein, kein Vergleich zum Weltuntergang, der hier gestern stattfand!



Meine Idee war also, mir zwei Plastikdosen einzupacken und eine "Erntetour" zu machen. Vor den Aufbruch hatte mir das Schicksal noch einen Telefonanruf gesetzt - war meine Freundin, lange nichts gehört, haben uns dann auf den neuesten Stand gebracht, war sehr nett. Glücklicherweise immer noch tolles Wetter (kaum zu glauben nach dem Unwetter vorgestern/gestern!), und es war schon relativ spät, als ich aufbrach.


(Bei diesem Bild ist auch Start der Fotostrecke)

Unterwegs - es passiert sonst so gut wie nie, dass ich mehrfach pro Saison exakt gleiche Wege gehe und alles, was da wächst, grünt und blüht, praktisch schon mit dem Vornamen ansprechen kann - habe ich dann auch allerlei jahreszeitlich bedingte Veränderungen wahrgenommen: Der Sommer geht ganz offenbar mit Siebenmeilenstiefeln auf sein Ende zu. Aus den schönen Heckenrosen sind dicke, rote Hagebutten geworden, und die großen Farne beginnen zu welken.



Die Brombeerhecke war schnell wieder gefunden - im ersten Moment war ich enttäuscht: Ganz klar wissen auch andere von den reifenden Leckerlis, da war bereits reichlich geerntet worden! Aber mein geschärfter Blick zeigte mir dann, dass auch für mich noch einiges vorhanden war. Und für nachfolgende Sammler (nicht Jäger) in den nächsten Tagen ebenfalls: Es waren und sind Beeren jeglichen Reifegrades vorhanden, von der Blüte bis zur prallen Frucht.



Die erste Dose ausgepackt und angefangen, hm... gar nicht so einfach in diesem Stachelgestrüpp! Die ganze große Hecke habe ich pflückend umrundet, unter Einsatz meines Lebens bin ich den Zweigen ausgewichen, habe mich durch wahre Brennnesselfelder gewagt und durch Baumschößlinge hindurchgekämpft. Die Dose war halb voll und die restlichen Beeren in luftiger Höhe für mich nicht erreichbar.



Ich hatte die glorreiche Idee, dass möglicherweise im weiteren Umkreis mehr Brombeerhecken wachsen könnten, bin also ein bisschen querfeldein durch und über die Wiese spaziert - und bin dann im Brombeerschlaraffenland angekommen! Ein riesiges Gebüsch, auch schon ein wenig "beerntet", hier war aber schon eine Menge inzwischen wieder nachgereift.



Also neuerliches Beugen, Recken, Strecken nach den süßen Beeren, meine Hand (nur eine, die andere hielt ja das Gefäß) vom Beerensaft verfärbt, kämpfte ich mit den Dornen. Ja, die Ranken sind ganz bestimmt lebendige Wesen, denn kaum stand ich ein paar Minuten an einem Fleck, hatte sich mindestens eine Ranke fest an meiner Kleidung verhakt. Und es ist keine Kleinigkeit, sich davon zu befreien, wenn eh nur eine Hand frei ist...

Bei der Ernte habe ich auch allerlei Getier aufgescheucht: Wespen scheinen die Brombeerblüten zu lieben, Spinnen fühlen sich in den Hecken wohl, manch anderes nicht näher identifizierte Kleininsekt krabbelte und hüpfte da herum. Außerdem scheint die Hecke eine Wohnstatt von Vögeln zu sein, die sich aber kaum von mir stören ließen.

Schließlich war alles abgepflückt, das in meiner Reichweite war - wenn jemand drei Meter groß ist, bitte: in luftiger Höhe sind die Brombeersträucher noch immer dick voller reifer Beeren.

Da Brombeeren offensichtlich in friedlicher Koexistenz mit großen Brennnesseln leben, war ich am Ende ein wenig lädiert: Hand und Arm zerkratzt, zerstochen, mit juckenden Quaddeln. Aber mit reichlich vitaminhaltiger Beute!

Nach einer kleinen Pause zwischen blühendem Heidekraut ging es dann zurück nach Hause, inzwischen war es ja schon halb acht. Und auf dem Rückweg habe ich noch eine weitere große Brombeerhecke gesehen, ebenfalls reich behängt, vielleicht ... Eines Feierabends in der nächsten Woche...?



Als Abendmahlzeit (für mein Gefühl war es ja noch Nachmittag) gab es dann nicht nur eine frisch gebackene Mohnschnecke zum Kaffee, sondern auch eine Portion frischer Brombeeren mit Vanillejoghurt. Und eine reichliche Menge Beeren habe ich jetzt für die nächsten Tage. Echte Vitamine aus meinem Wald!



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