Konzert im Spiegelsaal
... des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe. Bilder vom Saal sind hier zu sehen. Ein sehr, sehr schönes Ambiente für ein Konzert im gefühlten "kleinen Kreis". Einziges Manko war die schlechte Klimatisierung, oder man hatte zu gut geheizt?
Die Veranstaltung begann mit einer Ansprache der Präsidentin der Deutsch-Italienischen Gesellschaft mit allerlei Danksagungen (?) und Begrüßungen, unter anderem der des Italienischen Generalkonsuls, der unter den Gästen war. (Ihre paar eingestreuten italienischen Worte waren nicht unbedingt eine Werbung für die Sprachkurse der DIG.) Danach eine kurze Ansprache einer Italienierin, die ein sehr schönes, klares Italienisch sprach, denn ich konnte immerhin einiges verstehen, in der sie eine kleine Einleitung zu diesem speziellen Liederabend machte.
Auftritt der Compagnia Musicale Mario Di Leo. Ein merkwürdiges Gefühl, wenn man jemanden aus einem ganz anderen Umfeld kennt und ihn jetzt als Bühnenkünstler erleben konnte, ganz offensichtlich ist die Musik nicht nur Hauptberuf sondern eine Leidenschaft, mit der auch seine Kinder "infiziert" sind: Tochter Stella, 21 Jahre alt, singt sehr, sehr schön, und Sohn Luca (14) spielt nicht nur Gitarre, sondern entlockt seiner Trompete Töne, die ans Herz gehen...
Der Abend stand - wie schon vorher hier geschrieben - unter dem Motto "Hommage an Fabrizio De André" (Omaggio a Fabrizio de André). Sehr geschickt waren (in Deutsch, denn schließlich sollte ein Stückchen italienischer Kultur an uns Deutsche vermittelt werden) kurze Geschichten zur Entstehung und zum Inhalt der Lieder sowie zum Leben De Andrés verflochten worden mit den musikalischen Darbietungen. Das Ganze unterstützt durch die absolut freundliche Ausstrahlung und den sanften, augenzwinkernden Humor des Hauptakteurs, dessen ich mich bereits allmontäglich erfreue, wenn ich einen Grammatikfehler mache *lächel*
Die einzelnen Bandmitglieder der "Compagnia" sind absolut klasse und wirken insgesamt sehr jung (obwohl ich mich bei der Dame am Schlagzeug getäuscht habe, denn ihr Sohn spielt auch mit, sie kann also keine zwanzig mehr sein).
Zum Publikum: Obwohl ich bei einem italienischen Liederabend eine eher ungezwungen-lockere Atmosphäre erwartet hätte, empfand ich das Publikum als überwiegend hanseatisch-steif (wie ich "meine Welt" hier in Hamburg normalerweise nie erlebe). Der Altersdurchschnitt lag bei geschätzten 45 Jahren, viele Damen waren dunkel-streng gekleidet, akkurate Haarschnitte und streng nach hinten gebundene Haare waren vielfach zu sehen. (Natürlich gab es "Rausreißer", vor allem nach unten, hinsichtlich des Outfits, das "geht" selbstverständlich erst recht nicht.) Sehen so die typischen Mitglieder der DIG aus? Empfand man sich als illustren Kreis? Ich hatte so ein bisschen das Gefühl.
Die Dame vor mir, die eine dermaßen "schiefe" Haltung angenommen hatte (neben mir war ein Kameramann/Fotograf, ich vermutete, dass sie ihm freie Sicht für seine Aufnahmen hatte geben wollen), dass ich nur mit Mühe die Akteure sehen konnte, fragte ich während der Pause, ob sie nicht evtl. ein wenig darauf achten könnte, mir (und den mir hinter sitzenden) ein wenig den Blick zur Bühne zu ermöglichen. Sie schaute mich dermaßen pikiert an, als sei ich ein wenig namenloser Schmutz unter ihrem Schuh und erdreistete mich, eine königliche Hoheit anzusprechen... (Normalerweise lasse ich mir immer noch allzu viel gefallen und hatte mir lange überlegt, sie anzusprechen. Aber je älter ich werde, desto besser schaffe ich es, für mich einzutreten - Sprung über den eigenen Schatten mal wieder geschafft.) Meine höfliche Bitte wurde unterbrochen, in dem die Dame von der Präsidentin der DIG höchstselbst angesprochen und in ein Gespräch verwickelt wurde... Wie dem auch sei, in der zweiten "Halbzeit" hatte ich einen ungehinderten Blick!
Auf meine Frage an den "Kameramann" neben mir, wofür er die Aufnahmen machte, teilte er mir mit, dass er hoffe, sie bei YouTube einstellen zu können. Er sei sich nicht sicher, da die Akustik nicht optimal sei... (Hoffe doch sehr, im Internet demnächst etwas finden zu können davon!) Abgesehen von der Kamera auf dem Stativ weckte sein zweites Handwerkszeug Begehrlichkeiten bei mir. Da er neben mir saß, konnte ich hin und wieder aus dem Augenwinkel einen Blick darauf werfen. Ich weiß nicht, ob es eine Fotokamera oder Videokamera war (egal), er machte damit super-super-tolle Aufnahmen trotz schlechter Lichtverhältnisse, zoomte hin und her, machte von einzelnen Musikern Großaufnahmen - phantastisch! Hoffe, er macht einen Videoschnitt, in den diese mit eingebunden werden.
Alles in allem hat mir dieser Abend gut gefallen, ich möchte aber sehr gerne Mario di Leo mit seiner Compagnia einmal in anderer Umgebung und unter einem anderen Motto erleben (vielleicht entfällt dann das "Hanseatisch-Steife").
Labels: Hamburg, Italienisch, Mario-di-Leo

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