gut gelaufen
Sprachkursabend.
Nachdem A. ihren Text als erste vorgelesen hatte, seufzte der Dozent vernehmlich und meinte, er hoffe, die anderen Texte wären nicht so lang. Aber er hatte umsonst gehofft: Fast jede hatte einen Mini-Aufsatz vorbereitet gehabt, und alles in allem haben wir es gut gemacht. Natürlich gab es überall etwas zu verbessern, was ich interessant fand, denn hierbei ging es häufig um Spitzfindigkeiten: Es genügt nicht, gedanklich zu übersetzen, da viele Begriffe eine implizierte Bedeutung haben, mit der wir nicht vertraut sind.
Insgesamt haben wir damit nicht nur einen Tagesablauf beschrieben, sondern auch einiges an Themen der letzten Zeit zusammen gefasst: Uhr- und Tageszeiten, Wochentage, Verkehrsmittel, Berufstätigkeit, Hausarbeit, Hobbies (ja, doch, alle hatten fleißig frische Vokabeln auf Lager gehabt) und das Essen.
Grammatikalisch kamen zum Vorschein: Verbkonstruktionen, Possessivpronomen, Präpositionen. Wir können schon eine ganze Menge, gemessen daran, dass wir noch nicht ganz das Ende von Kurs Nummer eins erreicht haben. ("Können" ist relativ. Keiner hat alles abrufbereit, alle müssen erst drüber nachdenken. Ich bin nicht so unbeholfen, wie ich vor drei Tagen noch dachte. Jedenfalls nicht mehr als normal. Und, hey, wir wurden nett als "Streber" begrüßt von einem anderen "Streber-Doppelpack".)
Heute neu hinzugekommen sind die Modalverben volere, potere und dovere. Zusammen mit fare lässt sich damit allerlei zaubern. Aufgabe zum nächsten Mal: Erstellung eines Wochenplans mit zu erledigenden Tätigkeiten.
Lustig war, dass ich heute mia cugina bereits am Hauptbahnhof getroffen hatte und wir in der Bahn unverzüglich unsere Texte auspackten, die fehlerhaften und die korrigierten verglichen und somit bereits bestens auf den heutigen Unterricht eingestimmt waren!
Wirklich bemerkenswert waren Höflichkeit und Taktgefühl unseres Lehrers (aber auch der Mitschüler): Unmittelbar nach ausführlicher Erklärung der Bedeutung von "ci" fragte jemand genau danach. Vermutlich hatte sie ein paar Minuten abgeschaltet gehabt. Erstens gab wirklich niemand seine Verwunderung zu erkennen, es wurde auch nicht gelacht, zweitens verzog M.d.L. keine Miene und erklärte das Ganze noch ausführlicher erneut. Chapeau!
Gut zu wissen: "ci" sind wir als Nicht-Italiener nicht gezwungen anzuwenden, wir dürfen uns immer auch ausführlich ausdrücken. Allerdings sollten wir in der Lage sein, zu begreifen, was gemeint ist, wenn jemand dieses außerordentlich flexible Wörtchen einsetzt. "Ci" hat ggf. hunderte von Bedeutungen, immer rückbezüglich und immer situationsbezogen.
Labels: Italienisch

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