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Sonntag, 5. Juli 2009

"Rodungsarbeiten"

"Was zum Himmel", mag sich der unbedarfte Leser hier fragen, "kann in einem normal kleinen Terrassengarten so viel Arbeit machen?"

Tja..., hm...
Das Gärtchen bestand viele Jahre lang aus ein paar vom Vermieter gesetzten Büschen und Bodendeckern, dazu dem Flieder (Ableger aus Großmutters Garten), der Forsythie (Schwiegereltern wollten sie nicht mehr haben) und einem kleinen Rhododendron, den ich einst beim Discounter erwarb, einpflanzte und vergaß. Zu Zeiten, da meine Nachkömmlinge noch Zwergenformat hatten, gab es eine kleine Sandkiste, und daneben hatte ich dann Gras gesät, damit die Kiddies es zum Spielen schön hatten.



Die Kids sind längst aushäusig, die Sandkiste ist im Sandkistenhimmel, der Flieder hat sich auch diesen Platz einverleibt, und das Gras hatte sich heimlich, still und leise urwaldmäßig ausgebreitet. Ungefähr 25 Jahre lang. (Beim Betrachten dieses Fotos - Gruß an die junge Dame - fällt mir ein, dass zu unserer Terrassengeschichte noch zwei Tannenbäume und eine Birke gehören, aber das sind andere Geschichten.)

Bis es mich vor einem Jahr "packte". Eigentlich wollte ich nur das Gras kürzen, aus ganz egoistischen Gründen, denn meine Allergie stand gemeinsam mit dem Gras in schönster Blüte. (Manchmal nützen da auch die besten Medikamente nichts.) Und eh' ich's mich versah, war ich dabei, das Gras completamente zu entfernen, mich für allerlei Pflanzen zu begeistern und in Folge mich am stetigen Wechsel der Natur zu erfreuen.

Meine Begeisterung ist ungebrochen, Bewegung an frischer Luft ist fraglos gesund, und ich habe noch so viele kreative Ideen! Eine dieser Ideen bezieht sich auf das restliche Stückchen Grasland, wollte man eine Terrassen-Grundstücksgrenze ziehen, gehört es sicherlich zum Bereich des Nachbarn, eines betagten Herrn, dessen gärtnerische Aktivität sich auf ein paar Blümelein nahe seinen Terrassenplatten beschränkt. Zur Abgrenzung gibt es eine verwilderte Hecke, ursprünglich wohl das, was die Baugenossenschaft als Büsche gesetzt hat.



Gestern nun habe ich mich über das Grasland her gemacht und einen großen Teil davon in mühsamer Handarbeit "gerodet". Mit Musik im Ohr so lang der Akku reicht, danach einfach mit Stille ringsum (keine Nachbarn weit und breit zu hören), ist das eine sehr schön entspannende, gleichsam meditative Beschäftigung. Jedenfalls, bis meine Hände und Arme protestieren!



Auf dem frei gewordenen Platz habe ich ein paar Lavendelpflanzen gesetzt. Und: natürlich sieht das alles noch recht unordentlich und unfertig aus, muss immer mal wieder nachbearbeitet werden, weiteres Gras entfernt werden. Und die Pflänzchen müssen wachsen. Aber meine Erfahrung hat gezeigt, dass es gelingen wird.



Zum (vorläufigen) Abschluss habe ich an der wilden Nachbarshecke herum geschnippelt. Das kann nur ganz vorsichtig geschehen, damit ich keinen Kahlschlag produziere. Alles Grün ist in alle möglichen und unmöglichen Richtungen gewuchert, es finden sich Ausläufer (lange Triebe) an den unglaublichsten Stellen. Und vieles ist dornig: Weißdorn, Brombeersträucher, Rose... Also lieber immer nur ein bisschen entfernen und gucken, ob es schön dicht und buschig nachwächst.



Zuletzt habe ich mich um meinen Rosenstrauch gekümmert: Verblühtes entfernt, "tote" lange Triebe abgeschnitten usw. Der Busch muss auch langfristig etwas kompakter werden...



Ich schrieb ja gestern bereits etwas über die Beschaffenheit des Bodens hier, dazu erlebte ich gestern Abend noch "mein blaues Wunder": Ich musste aus meiner kleinen bunten Ecke zwei Pflanzen entfernen, da sie offenbar verstorben waren, und fragte mich schon nach dem Grund. Ersatz sollten drei von den kleinen Lavendelpflanzen sein, folglich grub ich ein bisschen in der "Erde" herum und stellte zu meiner Verwunderung fest, dass sie komplett sandig war! Verwunderung deshalb, weil ich ja ständig neue Pflanzen mit frischer Blumenerde einsetze, und an diesem Plätzchen habe ich mehr als zwei oder drei Mal schon "Reparaturarbeiten" ausführen müssen. Sand, alles Sand! Wo ist die Erde hin?



Und immer wieder stoße ich in normaler Pflanztiefe auf Steine, als würden sie stetig nach oben wandern. Die Krönung war jedoch gestern ein Stein, der fast kindskopfgroß war! So viel zur Abteilung "Bauschutt unter dem Terrassenboden".

Heute wird nicht gegärtnert, heute wird gelernt :)

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