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Mittwoch, 29. Juli 2009

Telefongespräche

Urlaubszeitbedingt bin ich derzeit die einzige "Bürodame". (Übrigens ein schreckliches Wort, es gibt keine Berufsbezeichnung für uns, die wir "Mädchen für alles" sind. Obwohl ich natürlich einen Beruf habe, aber der liegt weit oberhalb von dem, was ich täglich mache...) Das bedeutet, dass ungefähr 98 % aller eingehenden Anrufe von mir entgegengenommen werden, wovon ich den Löwenanteil auch selbst bearbeite.

Es ging heute früh gleich ganz wonnig los, in dem mich einer unserer Monteure informierte, dass - trotz Terminabsprache - niemand im Hause sei. Eine Nachbarin des betreffenden Bewohners wollte "einhüten", sie hatte sich während unserer voraus gegangenen Gespräche geweigert, ihren Namen und ihre Telefonnummer zu hinterlassen, so hatten wir keine Chance, kurz nachzufassen. Unser junger Mann wartete also eine halbe Stunde, bevor er sich zum nächsten Termin aufmachte.

Gegen Mittag meldete sich diese Nachbarin wutschnaubend bei mir. Der Monteur sei nicht gekommen, es hätte niemand bei ihr geklingelt. Nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass sie in ihrer eigenen Wohnung gewartet hatte. Schließlich sei das doch wohl klar gewesen!!! Und nun könne er ja wohl umkehren und einen anderen Kunden im Stich lassen....

Bevor sie den nächsten möglichen Termin akzeptierte, verging dann noch eine ganze Zeit, in der ich unter anderem anbot, dass wir auch warten könnten, bis der urlaubende Bewohner zurück sei, damit sie nicht mehr belästigt werden müsste. Das Argument schien nicht ganz schlecht zu sein, da sie darauf hin verstummte.

Als ich später mit dem Kollegen darüber sprach, wunderte er sich ganz gewiss über die zahlreichen liebevollen Bezeichnungen, die ich für die Dame hatte...!

Das nächste Problemkind war eine Frau, die dabei war, an ihrer Haftpflichtversicherung zu verzweifeln. Die Kostenübernahmezusage hatte sie telefonisch erhalten, weigerte sich aber, selber als Rechnungsempfänger zu erscheinen, vermutlich auch, weil ich angehalten bin, von privaten Kunden Abschlags-Vorauszahlungen zu verlangen. Da wir beide bereits seit einer Woche versuchten, das Problem zu lösen, die Mitarbeiterin der Versicherung aber auch mir gegenüber äußerte, dass die Rechnung nicht direkt an die Versicherung zu senden sei, hatte ich genug von diesem Hörspiel. Kurzentschlossen kontaktierte ich die uns sehr gut bekannte Wohnungsverwaltung, was dann auch den gewünschten Erfolg hatte. (Mein Dank gilt der immer fröhlichen und freundlich-tatkräftigen Frau W.)

Eigentlich hatte ich hiermit bereits den heutigen Heiligenschein verdient gehabt, aber es kam noch viel besser. Gibt es eigentlich eine Gebührenordnung für Lebenshilfeberatung in solchen Situationen?

Es meldete sich eine vermeintlich potenzielle Kundin mit der Bitte um Angabe von Schätzkosten für eine bestimmte Arbeit. (Oh, das mache ich gar nicht gerne, ist auch eigentlich nicht statthaft!) Während ich also mir die einzelnen Posten überlegte und vor mich hin murmelte, hinwies darauf, dass auch noch eine andere Firma kommen müsse, stellte sich heraus, dass die Lady derzeit nur Überlegungen anstellte, ein ganz bestimmtes Häuschen zu mieten und ggf. zu verändern. Sie wüsste überhaupt nicht, was sie machen solle, könnte sich auch vorstellen, in x Jahren noch auszuwandern, und überhaupt wisse sie nicht... Ich habe dann auf allerlei Widrigkeiten hingewiesen und ganz vorsichtig abgeraten, natürlich nicht ohne den Hinweis, dass sie ggf. gerne sich erneut bei uns melden darf zwecks Besichtigung und schriftlichem Angebot.

Trotz allem war es ein ganz guter Tag, und viel geschafft habe ich auch... Kein Wunder, dass ich während dieser Urlaubs-Härtezeit jeden Tag ein wenig früher ins Bett falle als am vorigen.

Nachsatz: Manchmal ergeben sich seltsame Situationen. Seit einiger Zeit zählt die für mich privat zuständige Verwaltung auch zu unseren Kunden, und in den letzten Tagen rief häufig "mein" Techniker bei uns im Büro an. Heute fragte er mich, ob ich vielleicht kein Zuhause hätte? Meine Antwort "ich muss schließlich hier sein, um meine Miete an Sie zu zahlen" brachte ihn dann doch zur schnellen Einsicht, rang ihm aber gewiss auch ein Grinsen ab :))

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